Was verbindet der Mensch – oder der schweizer Mensch – mit dem Begriff Weihnachten? Wärme? Fammiliensinn? Einen kuscheligen Kamin, vielleicht hängen da ein paar übergrosse Socken dran? Geschenke? Glückliche, staunende Kinderaugen? Gutes Essen? Friedlichkeit?
Gestern war ich an einem Weihnachtsmusical. Von einer Primarschulstufe gespielt. Es war “süss”, “rührend”, und dann erst noch gut gemacht. Mit Klischees wurde nicht gespart. Herzige Engelchen, nette Hirten, nette Schafe, und eine kleine Bande von Kindern, die nach Bethlehem pilgern wollte. Das ganze war musikalisch untermalt. Man konnte für eine Weile einfach abschalten, es war schön…
Am Ende – der Rektor wollte noch ein abschliessendes Wort verkünden – waren alle auf der Bühne versammelt. Die Kinder wurden unruhig, denn das Musical war schon vorbei, und sie wollten wohl zu ihren Eltern, die unten in den Zuschauerreihen auf ihre Sprösslinge warteten.
Da sah ich es… zwei Engelchen, die sich prügelten. Da flogen tatsächlich kleine Engelsfäustchen. Irgendwie war das einerseits ein groteskes Bild, und andererseits auch …ja, ein Spiegelbild der Grundstimmung…
Das Fest der Liebe? Ich frag mich grad…. auch in meinem Kopf haben sich “Idealvorstellungen” von Weihnachten eingepflanzt – wenn ich mir das so vorstelle, sind das recht kitschige Bilder, die ziemlich nach Hollywood riechen.
Ja, und da gibt es noch – ganz blass – die Bilder, die aus meiner Kindheit stammen. Die sind zwar nicht grässlich, aber auch nicht wirklich schön. Die sind hektisch, unzufrieden, und da oder dort gar etwas langweilig.
Es ist mir eigentlich egal, was sie sind…nur ein Punkt fällt mir auf: Ich habe kein einziges Bild in mir, welches den Ausdruck “Fest der Liebe” untermauern würde. Wenn, dann sind das eben jene Hollywood-Idealvorstellungen, die genau gar nichts mit der Realität zu tun haben scheinen.
Es kommt mir im Moment so vor, als hätte niemand Zeit für diese Liebe. Ich befürchte, dass die Liebe während der Weihnachtszeit sogar ziemlich out ist. Sie ist unpopulär – halt nicht trendy oder sowas…. und was den Streitfaktor so angeht, scheint es viel eher darauf rauszulaufen: “JETZT ERST RECHT!”
Irgendwie macht mich das traurig. Ein Fest der Liebe wäre doch…etwas schönes? Warum nicht für einmal “Waffenstillstand”? Kann man denn nicht für ein paar Tage den Frieden wahren, auch wenn das keinen Kausalzusammenhang zur Lebenssituation haben mag? Einfach um der Liebe willen?







